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Fotografie > Vermarktung und Geschichtsfälschung

 

Vermarktung von fotografischen Zeugnissen und Geschichtsfälschung

 

Der Holocaust, Auschwitz und seine Geschäftemacher 2005

münchnernotizen – Magazin für Deutschland, Österreich und Schweiz seit 2000

 

Die Geschichte zeigte, dass das nationalsozialistische Regime unter anderem durch Propaganda und Manipulation groß geworden ist. Ebenso besteht die Tatsache, dass selbst noch aus den Toten der Konzentrationslager Kapital geschlagen wurde und der Umstand, dass es noch Jahrzehnte nach den Greueltaten Subjekte gibt, die den Holocaust in Abrede stellen und von der „Auschwitz-Lüge“ sprechen.

Wir zeigen einen schier unfassbaren Umgang mit der Thematik des Holocaust ausgerechnet in dem Jahr auf, in dem die Menschen dem 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gedenken. Wir stellen unter Beweis, dass Millionen Menschen durch die Darstellung falscher Tatsachen unrichtig informiert wurden, Geschäftemacher mit Bildern des Holocaust viel Geld verdienen und denjenigen damit Nahrung verschafft wird, die der Klientel der „Reformhistoriker“ zuzuordnen sind und von der „Auschwitz-Lüge“ sprechen.
In den letzten Jahren wird zunehmend mehr Qualität im Journalismus gefordert, doch tatsächlich geht es den überwiegenden Anteil der Medien nur um Auflagen und Einschaltquoten – doch die im Folgenden geschilderten Sachverhalte sehen wir sowohl wegen ihrer Inhalte als auch in ihrer unabschätzbaren Tragweite als bedenklichen Höhepunkt.

Die Fakten: Am 27. Januar 1945 erfolgte die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz (Polen) durch die russischen Alliierten. Rund um den 60. Jahrestag der Befreiung des KZ veröffentlichen über einen Zeitraum von etwa 14 Tagen zahlreiche Medien im Print-, online- und TV-Bereich darüber Artikel und Reportagen. Nachdem „Original“- Fotos nur spärlich zur Verfügung stehen, bedient man sich der unterschiedlichen Bildagenturen, die Bilder vom Konzentrationslager Auschwitz gegen Entgelt zur Verfügung stellen. Zur Veröffentlichung, wie könnte es wohl anders sein, gelangen Bilder mit Darstellungen, die schlichtweg schrecklich sind und für sich alleine schon die Frage aufwerfen, ob es denn überhaupt darum geht, sachliche Information zu liefern oder ob durch die Aufbereitung und Verarbeitung der Photos in Verbindung mit Textbeiträgen schlicht nur der Hunger auf Sensationsgeilheit der Konsumenten gestillt wird? Es gab Fälle, in denen das gleiche Bild in unterschiedlichen Medien zeitgleich veröffentlicht wurde. So bringt der STERN in seiner Printausgabe 5/2005 eine mehrseitige Reportage zu dem Konzentrationslager Auschwitz (...).
Der Bildtext (...) spricht vom Krematorium des Stammlagers und weist die Datierung 1941 aus. Auf der nächsten Seite befindet sich ein weiteres, ebenso oftmals gezeigtes Bild, auf dem zwei Häftlinge die Leiche eines ermordeten Mithäftlings zu den Verbrennungsöfen ziehen. Als Bildquelle wird der SV-Bilderdienst genannt. SV-Bilderdienst firmiert als Süddeutscher Verlag Bilderdienst DIZ München GmbH – eine Unternehmung der Mediengruppe Süddeutscher Verlag. Der Anbieter listet unter dem Stichwort „Konzentrationslager“ 231 Photos auf, die Herkunft der gegenständlichen Fotos wurde von Frau Buchholz vom SV-Bilderdienst am 31. März mit „eigenen Beständen der Verlagsgruppe aus der damaligen Zeit“ angegeben. Auf die Frage, ob der Name des Fotographen, der die beiden Aufnahmen gemacht hat, evident ist, erfolgte eine Verneinung mit der Begründung, dass angesichts der Darstellungen auf eine Namenskennzeichnung verzichtet wurde.
(...)
Die Photoserie, die aus mindestens 2 Bildern besteht, die Häftlinge bei der Einbringung einer Leiche darstellen, wobei eines der Bilder auch im STERN 5/2005 abgebildet war, weist folgenden Bildtext des SV-Bilderdienst aus:
„KZ-Häftlinge in Auschwitz – Aufnahmedatum 01.01.1940 – 31.12.1940 Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau mit der Leiche eines ermordeten Mithäftlings vor einem der Verbrennungsöfen. Ort: Auschwitz – Land: Polen.“ Versehen ist das Bild mit den Stichwörtern: Auschwitz-Birkenau Häftling Holocaust Judenvernichtung Konzentrationslager KZ Lager Leiche Menschenrechte Ofen Politik Verbrennungsofen Vernichtungslager.

Ebenso zu dem mehrfach verkauften Bild „Häftlinge mit Zange“ ist folgende Bildbeschreibung vorzufinden: (...)
„KZ-Häftlinge in Auschwitz – Aufnahmedatum 01.01.1940 – 31.12.1940 Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau mit der Leiche eines ermordeten Mithäftlings die sie mit einer eisernen Zange zu einem der Verbrennungsöfen ziehen. Ort: Auschwitz – Land: Polen. Keywords: Auschwitz-Birkenau Häftling Holocaust Judenvernichtung Konzentrationslager KZ Lager Leiche Menschenrechte Ofen Politik Vernichtungslager.“

Laut Frau Buchholz kostet der Bezug der Fotos je nach Verwertung des Beziehers zwischen 50.- und 100.000.- Euro pro Stück. Die muenchnernotizen begannen die Recherchen zu den Bildern bereits Ende Jänner und wollten vorab einfach einmal abklären, wieviel Profit denn mit dem Elend von damals, heute, 60 Jahre später, zu machen sei und gaben bei einer Anfrage an, ein Bild für eine Reportage im Online-Magazin veröffentlichen zu wollen. Wir staunten nicht schlecht, als uns nach aufwendigen Schriftverkehr die Mitteilung des SV-Bilderdienstes erreichte, dass Medien wie unseres, deren Publizierungen, einmal veröffentlicht, immer für den Leser zur Verfügung stünden, grundsätzlich keine Veröffentlichungsrechte bekämen, weil die Berechnung der Gebühren scheinbar nicht in das Kalkulationsprofil der Bildagentur passt.

Es war dem Umstand einer Veröffentlichung der BILD-Zeitung am 26. Januar 2005 zu verdanken, dass wir uns der Thematik überhaupt annahmen. Jetzt, nach 2 Monaten, wissen wir, dass diese Bilder nicht das sind, was sie darzustellen scheinen. Denn sie stammen gar nicht aus dem Konzentrationslager Auschwitz und schon gar nicht aus dem ausgewiesenen Jahr 1940 oder 1941. Es sind allesamt gestellte Aufnahmen, mit denen sich jedoch unter falschen Beschreibungen gutes Geld verdienen lässt. Ob der STERN, die BILD oder zahlreiche andere Medien, alle drucken zum Vernichtungslager Auschwitz Bilder ab, die gar nicht aus Auschwitz stammen. (...)
Die Bilder aus den Serien „Häftlinge vor dem Ofen“ und „Häftling mit Zange“ stammen aus dem Konzentrationslager Dachau.

Dazu kommentiert der seit 13 Jahren mit einschlägiger Forschungstätigkeit erfahrene Begründer von Sonderkommando-Studien und Mitautor des Buches „Zeugen aus der Todeszone“ (Barbara Siebert & Eric Friedler), Andreas Kilian, zu den Bildern im Einzelnen:

2 Vorlagen der Bilder „Häftlinge vor dem Ofen“:
„Die beiden Fotos stammen nachweislich aus dem neuen Krematorium in Dachau, wurden kurz nach der Befreiung von Dachau 1945 von den Alliierten aufgenommen und sind mir wohlbekannt. … Zum Zeitpunkt der Aufnahmen waren die Öfen jedoch nicht in Betrieb.“

Zu den abgebildeten Personen befragt, gab Kilian übereinstimmend mit unserer Einschätzung an, nämlich dass diese Personen sehr wahrscheinlich zuvor in anderen Arbeitskommandos tätig waren und begründet dies folgendermaßen:
„Da diese Zwangsarbeiter vor allem in den Krematorien und anderen Einäscherungsanlagen der Vernichtungslager oftmals von Mitgefangenen als Kollaborateure und Täter betrachtet wurden, wäre denkbar, dass die Krematoriumsarbeiter nach Befreiung entweder unerkannt bleiben wollten oder im Hinblick auf ihre schreckliche Zwangsarbeit nicht bereit waren, die Tätigkeit nachzustellen.“

Als Nachweis sei hier ein Dokument der Gedenkstätte Yad Vashem abgebildet, das durch einen Stempel den Herkunftsort Dachau nachweist: (...)


Vorlage des Bildes „Häftlinge mit Zange“ – Bild 3:
„Bild 3 stammt auch aus Dachau und wurde im Durchgang zur Leichenhalle des Krematoriums aufgenommen.“

Dieser Sachverhalt wurde uns am 1.4.2005 ebenso durch eine leitende Mitarbeiterin der Gedenkstätte Dachau, Frau Klara Gissing, wie folgt schriftlich bestätigt:
„Wir können Ihnen mitteilen, dass die Fotos zu Demonstrationszwecken bald nach Befreiung des Konzentrationslagers Dachau aufgenommen wurden.“

Das KZ Dachau wurde am 29. April 1945 durch US-Truppen befreit und somit stammen die Aufnahmen frühestens vom Mai 1945.
Somit ist der Nachweis erbracht, dass der zu der Süddeutschen Verlagsgruppe gehörende SV-Bilderdienst falsch deklarierte Photos gegen Entgelt anbietet. Im Gegensatz zum nächsten Fall wiegt hier jedoch der Umstand schwerwiegend, dass die Bilder aus unternehmenseigenem Besitz herrühren.

Bei dem Fallbeispiel aus der BILD-Zeitung, in der Veröffentlichung vom 26. Januar 2005, Nr. 21/4, liegt der Sachverhalt etwas anders (...).
Unter der Überschrift „Der Kommandant der Hölle“ veröffentlicht das Blatt ebenfalls einen Artikel zu Auschwitz, bei dem verschiedene Bilder gezeigt werden. Wieder ist hier der SV-Bilderdienst genannt, aber das der Recherche zugrunde liegende Bild „Hand aus Ofen“ ist mit der Quelle von AKG (AKG-Images) versehen.
Der Aufmachung der BILD entsprechend, dennoch stimmte unserer Ansicht etwas nicht. Auszug aus dem Begleittext, der in der linken Türe des Verbrennungsofens geschrieben steht: „Verbrennungsöfen in einem Auschwitz-Krematorium. … Aufnahme nach der Befreiung des KZ Januar 1945“

Wir haben daraufhin am 9.2.2005 bei „AKG-Images, Archiv für Kunst und Geschichte“ in Berlin telephonisch nachgefragt und Bedenken hinsichtlich der Darstellung angemeldet und ersuchten um Zurverfügungstellung aller vorhanden Daten zu diesem Bild. Von der Mitarbeiterin, Frau Müller, erfuhren wir, dass dieses Bild zu einem Konvolut gehört, das 1994 durch die Firma erworben wurde. Der Bildbegleittext weist die Datierung „1945 – Auschwitz“ aus. Der Archivar, Herr Raible, könne uns weiterführende Informationen liefern. Also sendeten wir eine schriftliche Anfrage hinsichtlich des Sachverhaltes und der Auskunft seiner Mitarbeiterin und erbaten von ihm weiterführende Informationen. Noch am gleichen Tage traf folgende Antwort ein:
“Leider war es mir nicht möglich, irgendwelche zusätzlichen Informationen zu diesem Foto zu recherchieren. Einen Scan habe ich dieser Mail beigefügt. Die Aufnahme ist natürlich sehr „plakativ“, so dass sich der Verdacht, sie könnte „gestellt“ oder manipuliert sein, geradezu aufdrängt.“

Das war sehr dürftig und angesichts der Sorgfaltspflicht, die auch diese Firma gerade bei so einem solchen Thema, noch dazu als „Zulieferer“ für Medien, nachzukommen hätte, gar nicht denkbar. Deshalb setzten wir ein weiteres Schreiben an den Archivleiter der AKG ab. Wir unterstrichen die Notwendigkeit der Sachverhaltsklärung, woraufhin folgende Antwort eintraf:
“Ich habe mich jetzt noch einmal intensiver mit dieser Aufnahme beschäftigt. Es handelt sich mit großer Sicherheit um ein inszeniertes Foto. Jedoch nicht, um einen Tatbestand vorzutäuschen, sondern um die schrecklichen, tatsächlich stattgefundenen Ereignisse zu verdeutlichen. Ganz offensichtlich wurde die Hand eines Toten so in einen Verbrennungsofen gelegt, damit man eine Aufnahme machen konnte, die das bis dahin Unvorstellbare auf einem Foto festhält: In diesem Ofen wurden Menschen verbrannt.
Die Aufnahme selbst ist die Reproduktion eines alten Pressefotos, die vor 1994 in unseren Bestand gekommen ist. Alle Aufnahmen, die vor 1994 archiviert worden sind, tragen das Archivierungsdatum 01.01.1994 – daher auch die ungenaue Auskunft meiner Kollegin. Es gibt daher auch keine weiteren Informationen, aus welchem bestand oder mit welchen anderen Aufnahmen dieses Foto in unser Archiv gelangt ist. Es gibt auch keine Aufzeichnungen welche Informationen auf der Originalfotografie waren.
Das ist leider nicht viel. Ich hoffe dennoch, dass ich Ihnen ein wenig helfen konnte.“

Wie auch im Februar, als wir Bendenken anmeldeten, steht dieses Bild im Portal des Anbieters unter der Bezeichnung: 2-P75-K1-1945-93 für den Erwerb zur Verfügung.
(...) Es trägt folgende Bildbeschreibung:
„Nationalsozialismus: Konzentrationslager – Konzentrationslager Auschwitz (nahe Oswiecim/Polen) nach der Befreiung durch die Sowietischen Truppen am 26.1.1945; Die Hand eines Leichnam ragt aus dem Verbrennungsofen des Krematoriums – Foto, rund um Januar/Februar 1945“ (Übersetzung aus der englischen Bildbeschreibung)

Ja, man kann auch dutzende Fotos bei AKG-Images erwerben, wie beispielsweise die von ermordeten Kindern oder von einer ermordeten Frau mit entblößtem Unterkörper. Das Geschäft boomt im Gedenkjahr. (...)

Wieder war es Andreas Kilian, der uns mit seinem Fachwissen zu diesem Bild folgende Informationen lieferte, die im Hinblick auf die Vorgänge der damaligen Zeit in den Konzentrationslagern auch einmal das Grauen vor Augen führen und uns eintauchen lassen in die Abgründe des menschlichen Geistes:
„Das beigefügte Foto ist offensichtlich einige Zeit nach Kriegsende aufgenommen worden. Der Ofen war ein Kori-Modell. … Wahrscheinlich ist das Muffelrost bereits durchgebrochen, was die Armhaltung des im Ofeninneren befindlichen Körpers erklären würde. Es ist zudem sehr wahrscheinlich, dass ein Lebender diese dramatische Pose für das Foto-Motiv eingenommen hat, da eine "frische" Leiche in einem funktionslosen Ofen wohl kaum erklärbar ist. Ich schließe mich folglich Ihrer Annahme, dass das betreffende Foto gestellt ist, an. Als Zeitdokument und zur Verbreitung – geschweige denn zur Vermarktung – eignet sich das Bild meines Erachtens keineswegs.
Das Bild wurde keinesfalls in Auschwitz aufgenommen, da der abgebildete Ofentyp nicht im KL Auschwitz gebräuchlich war. Die Datierung Januar 1945 halte ich ebenfalls für unwahrscheinlich und im Zusammenhang mit der Lokalisierung für reine Spekulation. Ich vermute, dass die Aufnahme frühestens Ende der 40er aber wahrscheinlicher in der ersten Hälfte oder Mitte der 50er Jahre erstellt wurde. Der Stil der Fotografie entspricht der Dramaturgie und dem Pathos dieser Zeit und erinnert mich zudem ein wenig an Resnais Dokumentarfilm Nacht und Nebel, der in Frankreich 1955/56 produziert wurde.
Bei der Einäscherung in den Krematorien der nationalsozialistischen Konzentrationslager sollten Sie nicht von den Bedienungsvorschriften der Anlagen ausgehen. Die Praxis sah in der Regel ganz anders aus. Tatsächlich wurden die Leichen nicht immer mit dem Kopf voran in die Ofenmuffel eingebracht, da bei der Erstbeschickung durchschnittlich drei Körper von Erwachsenen eingeschoben wurden (exklusive Kleinkinder und Säuglinge). Diese lagen Kopf zu Fuß. Einzel-Nachbeschickungen wurden zum Teil mit dem Kopf voran durchgeführt, da man die Körper zwischen den Beinen besser mit Schiebern in das Ofeninnere befördern konnte. Das war aber keineswegs die Regel. Oftmals wurden die Leichen auch an den Schultern eingeschoben.“

Millionen Menschen kamen beim Holocaust ums Leben, der Genozid wurde von einem menschenverachtenden System angestrebt, das sogar noch nach dem Tod seiner bedauernswerten Opfer Profit aus ihren Überresten schlug. Heute, 2005, machen verantwortungslose Geschäftemacher ebenso Profit mit echten wie falschen Photos. Kein Einwand, keine Sorgfaltspflicht hinsichtlich der angebotenen Inhalte, keine moralischen Bedenken können gegen die Profitsucht ankommen. Medien haben sich scheinbar blind verlassen – aber wo fängt die journalistische Sorgfaltspflicht an und wo endet sie? Die Geilheit der Medien auf Bilder, das Stillen von perversen Gelüsten in einer manipulierenden Medienlandschaft tut im Namen der Berichterstattung nichts anderes als diesen Gelüsten nachzukommen und zu befriedigen und liefert auf diese Weise ein trauriges Spiegelbild der Gesellschaft.

Journalisten tragen die Verantwortung, Sachverhalte überprüft darzustellen, zu informieren, aufzuklären – es ist Pflicht und Ehr zugleich. Die Tragödie des aufgezeigten Sachverhaltes besteht darin: Dass Millionen Menschen Bilder und Texte zu dem Vernichtungslager Auschwitz präsentiert bekamen, die nachweislich nicht von dort stammen und letztendlich denjenigen Nahrung verschaffen, die auch heute noch den Holocaust verleugnen und von der „Auschwitz-Lüge“ sprechen.

Wenn selbst 2005 noch derart oberflächliche und falsche Informationen über die Grauen des Vernichtungslagers Auschwitz derart schlampig aufbereitet werden, dann tritt man das Gedenken an die Opfer mit Füßen und wirft die Frage auf, was wohl in 20 Jahren übrig bleiben wird. Die Morde an den Opfern brachte für die Nachwelt die Verpflichtung mit sich, jeden einzelnen Punkt der Ereignisse, exakt so darzustellen, wie er war. Die Menschheit läuft sonst Gefahr, dass Fehlinformation sich wie ein Nebel ausbreitet und sich Wahrheiten irgendwann aufzulösen beginnen.
(...)

© münchnernotizen 2005

Der ungekürzte Beitrag ist mit reichhaltigem Bildmaterial versehen im Online-Magazin münchnernotizen unter folgendem Link zu lesen:
http://www.muenchnernotizen.info/Medien/Holocaust/0304_xx_05.html (04.04.2005)

Wir danken dem Autoren und der Chefredaktion der münchnernotizen für deren Zustimmung zur Veröffentlichung des Artikels auf www.sonderkommando-studien.de

Anmerkungen von SoKoS:

In den Archiven des Staatlichen Museums Auschwitz (PMO) stehen den Medien eine umfangreiche Fotodokumentation über die intakten und zerstörten Vernichtungsanlagen von Auschwitz-Birkenau zur Verfügung (siehe auch unter: http://www.auschwitz.org.pl/html/de/muzeum/struktura_muzeum.html#1).
Bei offizieller Anfrage von seriösen Medien werden gegen ein geringes Entgelt Bilddokumente zur Veröffentlichung freigegeben. Falsche Quellenangaben und Interpretationen können auf diese Weise in der Regel ausgeschlossen werden.

Bei den erwähnten Bilddokumenten ist fraglich, wer über die entsprechenden Bildrechte verfügt. Sowohl die Archive der Gedenkstätten Dachau und Yad Vashem (Israel), das Bundesarchiv Berlin, die National Archives at College Park als auch die erwähnten Bildagenturen vergeben Dritten die Rechte zur Veröffentlichung, mal kostenfrei oder gebührenpflichtig, aber auch zu horrenden Preisen. Fragwürdig ist, dass historische Aufnahmen, die für Aufklärungszwecke dienen, teuer verkauft werden. Zum einen sollten die Urheberrechte geklärt werden – was im Fall der Dachauer Aufnahmen nicht schwierig sein dürfte, da die Namen der Fotografen unter den Dachauer Befreiern ermittelbar sein müssten – zum anderen sollte man eine zentrale Stelle festlegen, die Bildnutzungsrechte nach einer angemessenen Gebührenordnung vergeben darf.

In Bezug auf das jüdische Sonderkommando von Auschwitz-Birkenau haben sich kurz nach der Befreiung von Auschwitz nur zwei Überlebende den Fotografen der sowjetischen und polnischen Untersuchungskommissionen zur Verfügung gestellt: Henryk Tauber (5 Fotos) und Shlomo Dragon (1 Foto). Trotz ausführlicher Berichterstattung über die Funktion und Technik der Vernichtungsanlagen haben diese wertvollen Zeugen verständlicherweise nicht für nachgestellte Szenen posiert. Dagegen liegen dem PMO Aufnahmen vor, die einen Häftling eines anderen Arbeitskommandos in Leichenpose zeigen, der auf einem Einschiebewagen aus dem alten Krematorium im Stammlager Auschwitz liegt.

Vermutlich sind authentische Aufnahmen an Originalschauplätzen vielen Medien oftmals nicht plakativ genug, was nachvollziehbar ist. Problematisch wird es erst dann, wenn Falschinformationen kolportiert werden und damit Geschichtsfälschung betrieben wird. Der dadurch entstehende Schaden ist zu groß, als dass er bagatellisiert werden könnte. In Zukunft werden sich jedenfalls weder die verantwortlichen Redaktionen noch die Bildagenturen auf Unkenntnis berufen können. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft entsprechende Bildbestände kritisch überprüft werden und Sachverständige sowie zuständige Archive zu Rate gezogen werden, damit wenigstens die letzten Überlebenden von Auschwitz-Birkenau und besonders die letzten ehemaligen Arbeitssklaven aus den Krematorien von Auschwitz-Birkenau noch einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihrer Leidensgeschichte erfahren können.

(Letzte Änderung: 05.04.2005)

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